
Wiedervereinigung Koreas Wenn man Leute fragt, wie ihre Einstellung gegenüber der Wiedervereinigung ist, dann meinen sie zwar, dass sie diese auf alle Fälle wollen, aber tun sie irgendetwas dafür?
Wenige kümmern sich drum, deshalb ist es auch irgendwie schade.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass sogar andere Länder, andere Nationen sich mehr darum sorgen als wir, Koreaner, es tun. Irgendwie ist diese Tatsache traurig. Aber wie heißt es immer so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Durch den Ost-West Konflikt zwischen der damaligen Besatzungsmacht im Osten (ehemals UdSSR) und der Führungsmacht im Westen (USA) hatte sowohl Berlin als auch Korea ihren Ursprung der Teilung.
Jeder kennt die hermetische Absperrung der Grenze zwischen Ost- und Westberlin, die vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 durch die Berliner Mauer getrennt wurde und mit der Wiedervereinigung Deutschlands glücklicherweise abgeschafft worden ist.
Wenn man so in diese Vergangenheit zurück blickt, war es schon eine sehr bittere Angelegenheit, weil man diese Zeit auch mit sehr vielen Einzelschicksalen, unschuldigen Toten und zahlreichen Morden verbindet. Befasse ich mich aber heute noch mit den damaligen Ereignissen, kommen mir doch so manchmal die Tränen, obwohl es mich ja eigentlich nicht so sehr betreffen sollte, als die Geschichte meines eigenen Landes.
Denke ich jetzt mal darüber nach, wie viel ich mich tatsächlich mit dem Thema „Korea“ beschäftigt habe, dann ist es im Gegensatz zu der deutschen Historie ziemlich wenig.
Ich habe lange überlegt, was genau der Grund dafür sein könnte, bis ich am Ende meiner Überlegung zum Schluss gekommen bin, dass ich die Teilung mittlerweile für Selbstverständlich halte.
Korea wurde nach dem Koreakrieg (1950 bis 1953) im Juli 1953 durch das Waffenstillstandsabkommen am 38. Breitengrad geteilt, welches zur Folge hat, dass es schon seit 54 Jahren eine Demarkationslinie gibt.
So! Jetzt fragen Sie sich sicherlich warum ich von der Berliner Mauer und der Teilung Koreas berichte, wenn ich ja eigentlich etwas über die Wiedervereinigung Koreas schreiben soll:
Haben Sie etwas über das Kunstprojekt „Vanished Berlin Wall“ von Eun-Sook Lee gehört?
Es handelte sich hierbei, um eine aus fluoreszierende, transparente und mit UV-Licht durchleuchtete, nachgebildete Berliner Mauer, die vom 1. bis 9. November 2007 vor dem Brandenburger Tor stand.
Erinnern sollte uns diese Vernissage an die Gemeinsamkeit der politischen Situationen deutscher Geschichte bis 1989 und die noch seit 54 Jahren aktuelle Teilung zwischen Nord- und Südkorea.
Das Anliegen Lees ist es auf die unvermeidbare Trennung der Familien und getöteten Flüchtlingen aus beiden Ländern aufmerksam zu machen, indem sie in diesen elf Mauersegmenten aus speziell produzierten Neonfäden und –fasern koreanische Namen von Einzelschicksalen konzeptionell mit einkonstruierte.
Wie Sie mit Sicherheit wissen, gibt es noch heute viele Vermisste auf beiden Seiten Koreas.
Durch das Rekonstruieren der Berliner Mauer bezieht sich Eun-Sook Lee spezifisch auf die Gegenwart.
Es wird klar zum Vorschein gebracht, dass sie ihr großes Projekt versucht in den Blickpunkt der Menschen zu rücken, in der ihre Stellungsnahme eindeutig sichtbar wird:
Eun-Sook Lee hat eine künstlerische Begabung. Eine Begabung, die sie, als eine der Wenigen, für unsere geteilte Nation einsetzt. Ich kenne niemanden, der sich so sehr für die Wiedervereinigung einsetzt wie sie.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich kein wirkliches Interesse an dem Thema der Wiedervereinigung gezeigt habe, bis ich auf der Vernissage war und mit Entsetzen festgestellt habe, dass ich nicht die einzige war, die als Koreanerin so gleichgültig damit umgegangen ist: Als ich vor dem Werk stand waren um mich herum Fernsehteams aus aller Welt, um in ihren Ländern über die Ausstellung zu dokumentieren.
Koreaner waren komischerweise nur in einer Minderheit vertreten. Es gab außer mir vielleicht ein oder zwei andere.
Nichts desto trotz war ich Stolz, dass Lee, als Koreanerin, die Erlaubnis für die Ausstellung, am prominenten Standort in Berlin bekommen hat und dafür, dass auf der Plakette „Korea“ drauf stand. Gleichzeitig war ich aber entsetzt und enttäuscht über die wenigen Koreaner, die dort anwesend waren.
Also fragte ich sie in einem Nachgespräch über die Besucher.
Schockiert erfuhr ich, dass innerhalb der 9 Ausstellungstage wirklich nur „ein paar“ Koreaner dort gewesen waren. Auch wurde ich darüber informiert, dass sie dieses Projekt mit Mühe und Verzweiflung alleine durchführen musste. Sie erzählte weiterhin, mit Tränen in den Augen, dass sie oft am zweifeln und kurz vor dem Aufgeben war.
Das Traurige an der ganzen Sache ist, dass obwohl sie nach Sponsoren gesucht hat, weder koreanische Firmen noch der koreanische Staat finanzielle Hilfe leisten wollte. So blieb ihr nichts anderes übrig als alles selbst auf die Beine zu stellen. Können Sie sich vorstellen, wie viel Zeit und Geld sie für unser Land investiert hat? Sie alleine?
Ihre Intention war es die Menschen, insbesondere uns, die Koreaner, auf die Lage aufmerksam zu machen. Deshalb das Appell an alle: Wenn sie es alleine schafft die Aufmerksamkeit weltweit auf ihr Projekt zu lenken, warum sollten wir es nicht als Masse/Gemeinschaft schaffen?
Ich finde es sehr vorbildlich und richtig, wie sie mit voller Kraft ihre Fähigkeiten für uns einsetzt. Falsch finde ich aber, dass sie den Weg alleine gehen musste, ohne jegliche Art von Unterstützung, im Zweifel und ohne wirkliches Interesse des Staates.
Sie hat einen wichtigen Schritt in Richtung Wiedervereinigung gemacht. Eigentlich ja auch nur um uns die Augen zu öffnen. Sollten wir ihr nicht entgegenkommen?
Mir hat es die Augen geöffnet. Ich werde sie zwar nicht finanziell unterstützen können, aber mein Vorhaben wird es sein als eine Koreanerin der jüngeren Generation mich mehr mit dem Thema der Wiedervereinigung zu befassen, da ich endlich über eine Einheit Koreas reden möchte und nicht über zwei getrennte Länder. Vielleicht sollten Sie auch einmal über Ihre Einstellung und Intention nachdenken.
Young-Eun Cho (18 Jahre) aus Berlin, 2007